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Wie in der Wüste

Es ist 15:00. Wie jeden Samstag will ich mit meiner Kamera bewaffnet in die Stadt. Auf der ganzen St.Georgenstrasse kommt mir dabei kein Auto entgegen. Noch empfinde ich es aber nicht als seltsam. Aber plötzlich sehe ich 200 Meter weiter vorne, am Anfang der Wildeggstrasse, einen Geländewagen mitten in der Strasse stehen. Erster Gedanke: Unfall. Als ich das orange Blinklicht auf dem Dach des Geländewagens sehe und schliesslich den Schriftzug “DMT” beginnt mein Herz vor Freude zu rasen. Der Mann, welcher mit seinem Geländewagen die Strasse blockiert schaut mich verdutzt an, als ich auf ihn zurenne. Es kommt mir vor, als wär ich in einem Film. Ein Auto, welches ganz bestimmt mal in der Wüste gestanden hat, sperrt jetzt eine ganze Strasse ab, in dem man es einfach quer in die Strasse gestellt hat. Der Cherif steht mit seinem Funkgerät lässig davor und deutet die wenigen Autofahrer an, wieder zu wenden.

Nicht jeder Autofahrer konnte verstehen, wieso ihm hier jemand den Weg versperren will. “Also bitte, das geht doch nicht. Einfach so die Strasse zu blockieren. Eine Frechheit”. Kopfschüttelnd wendeten die Kleinwagen wieder. Manch einer hat auch versucht am Geländewagen vorbeizukommen.

Mit grossen Schritten ging ich auf der Wildeggstrasse den weissen riesen dort ganz hinten entgegen. Und da waren sie endlich. Drei riesen grosse Vibrationsfahrzeuge vom Typ AHV-IV der Firma DMT. Vor einem Monat sah ich diese Fahrzeuge schon mal bei einer Vorführung. Und lange hatte ich auf diesen Moment gewartet, wo ich sie bei der Arbeit beobachten konnte.

Mit den Vibrationsfahrzeugen sollen Wellen erzeugt werden, welche an den Erdschichten reflektiert werden. Diese werden dann von Geophonen, welche in der gesammten Stadt St.Gallen verteilt sind registriert. So kann ein genaues Bild der Bodenbeschaffenheiten erstellt werden, um einen idealen Standort für das geplante Geothermiekraftwerk zu ermitteln.

Die Vibrationsfahrzeuge, welche auch schon bei der Erdölsuche oder Goldsuche in fernen Ländern eingesetzt worden sind, hielten alle 20 Meter an. Dann senkten sie ihren Fuss und vibrierten synchron für fünf mal fünf Sekunden. Trotz dem aussergewöhnlichen Bild, welches diese Kolosse mit den grossen Gummireifen auf unseren Strassen machen und dem unheimlichen Lärm von Kompressoren, gab es nicht viele Schaulustige.

Auch immer wieder lustig war, wie die Autofahrer reagierten, welche um die Kurven kamen und dann erschrocken vor einem solchen “Mondfahrzeug” standen. Nach einiger Zeit fragte mich eine aufgebrachte Passantin, was den hier los sei. Ich began ihr zu erklären. Ich hatte das Gefühl, dass sie ziemlich schnell flüchten wollte, als so richtig in Schwung kam mit dem Erklären des Vorgehens :) .

Nach einiger Zeit erschien dan auch noch eine Person am Tatort, welche mir schon bekannt war. Seinen schwarzen Chrysler mit den getönten Scheiben geparkt, stieg ein kleinerer, schwarz gekleideter Mann aus dem Fahrzeug. Die getönte Brille hatte er bereits aufgesetzt und zielstrebig ergriff er seine riesige Hightechkamera und baute sein schweres Stativ auf. Ich habe ihn schon einige Male gesehen, doch für wen er filmte weiss ich immer noch nicht. Auch das Geheimnis seiner Sonnenbrille habe ich noch nicht durchschaut. Wird aber wahrscheinlich was mit dem Filmen zu tun haben. Auf jedenfall ist mir der Typ irgendwie sympathisch.

Und wie ging es weiter? Die Fahrzeuge machten etwa 90 Minuten Pause und vor einer halben Stunde fuhren sie in St.Georgen ein. Also lasst die Erde vibrieren, Freunde der Nacht!

Und hier noch ein Iphone-Video dazu :) :

About the Author

Julian StiefelJulian Stiefel ist Hauptautor und Gründer dieses Blogs. In seiner Freizeit beschäftigt sich Julian vor allem mit den Themen Fotografie und Journalismus. Viele Beiträge deuten auch auf ein grosses Interesse an Computern und Netzwerken hin. Der Ausgleich zum technisch orientierten Alltag findet Julian beim Biken und Autofahren.View all posts by Julian Stiefel →

  1. AnnubisAnnubis03-06-2010

    interessant – ich habe diese fahrzeuge letzte woche nähe stocken gesehen und gewundert was das für riesen viecher sind. nun weiss ichs ;P

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